Schwerpunktbereich 2

Schwerpunktbereich 2 (§ 24 Abs. 2 Nr. 2 StudO):

Staat und Verwaltung – Umwelt, Bauen, Wirtschaft

Schwerpunktbereichskoordinierender: Professor Dr. Kurt Faßbender

Die Verwaltung im modernen Staat steht heute vor komplexen und neuartigen Herausforderungen, auf die sie teils mit bewährten, teils neuen Handlungsinstrumenten reagiert. Vor allem beschränkt und kontrolliert sie die private Wirtschafts- und Bautätigkeit in vielfältiger Weise, sehr oft durch planerische Vorgaben. Dabei spielen umweltrechtliche Anforderungen eine erhebliche Rolle, die immer stärker auf Maßgaben des EU-Rechts basieren. Hiervon sind nicht nur große Vorhaben wie etwa der Bau einer Autobahn oder die Erweiterung eines Flughafens betroffen, sondern auch kleine Gemeinden, die einen Bebauungsplan aufstellen möchten. Der Staat greift aber nicht nur ein oder setzt planerisch einen Rahmen, er beteiligt sich selbst am Wirtschaftsleben – sei es als Nachfrager am Markt, als Wirtschaftsförderer oder als öffentlicher Unternehmer. All dies erzeugt einen erheblichen Beratungsbedarf – auf privater Seite und auf staatlicher Seite.

Dem will der Schwerpunktbereich "Staat und Verwaltung" Rechnung tragen, indem er die Bereiche Umwelt, Bauen und Wirtschaft zusammenführt. Dabei werden in den Vorlesungen zum Umweltrecht die Grundlagen und darauf aufbauend alle wesentlichen Einzelbereiche einschließlich des Technikrechts behandelt. Gegenstand der Veranstaltungen zum Bau- und Planungsrecht sind das Raumordnungs- und Landesplanungsrecht, eine vertiefende Darstellung des Rechts der kommunalen Bauleitplanung sowie eine eigenständige Vorlesung zum Fachplanungsrecht, das dort vor allem am Beispiel der Verkehrswegeplanung aufbereitet wird. In den Vorlesungen zum Teilgebiet „Öffentliches Wirtschaftsrecht“ werden die deutschen und europäischen Grundlagen der geltenden Wirtschaftsverfassung behandelt. Sodann erhalten die Teilnehmer des Schwerpunktbereichs Einblicke in (weitere) Bereiche des Wirtschaftsverwaltungsrechts wie etwa das Gewerbe-, Gaststätten- und Handwerksrecht sowie das immer wichtiger werdende Vergaberecht. Schließlich werden die öffentlichen Unternehmen als Akteure des Wirtschaftslebens von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Die Angebote zu den Pflichtfachbereichen Umwelt, Bauen und Wirtschaft, aus denen auch der Klausurstoff entnommen wird, werden im Wahlpflichtbereich in drei Richtungen ergänzt. Zum einen besteht die Gelegenheit, vertiefte Kenntnisse auf dem praktisch bedeutsamen Gebiet des Rechts der Öffentlichen Abgaben zu erwerben. Zum anderen geben die Veranstaltungen zur Rechtsgestaltung im Öffentlichen Recht Gelegenheit, sich bereits im Studium mit anwaltlicher Arbeitstechnik vertraut zu machen und dabei die methodischen Besonderheiten im Öffentlichen Recht kennen zu lernen. Hierbei werden auch und gerade Beispiele aus den Rechtsgebieten der Pflichtfachbereiche gewählt, was zu einer weiteren Ergänzung und Vertiefung des bereits Gelernten beiträgt. Schließlich besteht die Möglichkeit, öffentlich-rechtliche Probleme des grundständigen Pflichtstudiums mit Blick auf Grundfragen und aktuelle Entwicklungstendenzen moderner Staatlichkeit (in Seminarveranstaltungen) zu vertiefen.

Der Schwerpunktbereich "Staat und Verwaltung" ist nicht nur für Studierende von Interesse, die später eine Tätigkeit als Verwaltungsbeamte im Dienste des Bundes, eines Landes oder einer kommunalen Körperschaft bzw. als Richter am Verwaltungsgericht anstreben. Vielmehr werden wichtige berufsqualifizierende und bereits anwendungsorientierte Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, wie sie später für den Rechtsanwalt (vor allem als Fachanwalt für Verwaltungsrecht) oder Justitiar eines Wirtschaftsunternehmens oder -verbandes unerlässlich sind.

Auf diese Weise trägt der Schwerpunktbereich 2 dem Umstand Rechnung, dass während des Referendariats in der Regel sehr wenig Zeit für eine Einarbeitung in Spezialgebiete des Öffentlichen Rechts verbleibt. Deshalb ist es empfehlenswert, sich möglichst schon im Studium das spezifische methodische und fachliche "Rüstzeug" anzueignen. Dabei werden die Studierenden auch zu einer zielgerichteten Auswahl geeigneter Ausbildungsstellen und Ausbilder (insbesondere in der Anwaltsstation und in der Wahlstation des Referendariats) befähigt und können so ihre Berufschancen angesichts der schwieriger werdenden Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern.

Wer sich für den Schwerpunktbereich "Staat und Verwaltung" entscheidet, kann zudem beachtliche Synergieeffekte erzielen. Denn zum einen werden in den Lehrveranstaltungen verschiedenste Bereiche des Staats- und Verwaltungsrechts wiederholt und vertieft, die im staatlichen Teil der Ersten Prüfung zum Pflichtfachstoff zählen. Zum anderen werden in den verschiedenen Teilgebieten jeweils auch die einschlägigen Regelungen der Europäischen Union mitbehandelt, so dass die Teilnehmer des Schwerpunktbereichs zugleich ihre Fertigkeiten im Europarecht sektorspezifisch und damit am konkreten Beispiel vertiefen können.

Bei alledem erweist sich die Nähe zum Bundesverwaltungsgericht, das in der Nähe der Juristenfakultät seinen Sitz hat, als erheblicher "Standortvorteil". Dies schlägt sich nicht nur in verschiedenen Kooperationen mit den Lehrstühlen des Öffentlichen Rechts, sondern unter anderem auch darin nieder, dass Richter des Bundesverwaltungsgerichts im Schwerpunktbereich selbst Vorlesungen halten. Auf diesem Wege sowie durch die Einbindung besonders qualifizierter Rechtsanwälte ist zugleich gewährleistet, dass auch die Rechtspraxis zu Wort kommt.

Ein weiterer "Standortvorteil" resultiert aus dem Umstand, dass die Helmholtz-Gemeinschaft mit dem Umweltforschungszentrum (UFZ) in Leipzig eine große interdisziplinär ausgerichtete Forschungseinrichtung unterhält. Hiervon profitiert auch der Schwerpunktbereich 2, weil zum einen Prof. Dr. Wolfgang Köck als  Inhaber des Lehrstuhls für Umweltrecht auch seine am UFZ gewonnenen Forschungsergebnisse in die universitäre Lehre einbringen kann. Zum anderen agiert das UFZ als (Mit-)Veranstalter von Tagungen und Vorträgen, die auch für die Studierenden des Schwerpunktbereichs von Interesse sind.

Weitere Hinweise zu Inhalt und Ablauf der einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf den Websites der Juristenfakultät sowie der Lehrstuhlinhaber und Lehrbeauftragten, die die betreffende Veranstaltung durchführen:

Professor Dr. Kurt Faßbender

Professor Dr. Marc Desens

Prof. Dr. Wolfgang Köck

Professor Dr. Christoph Enders

Professor Dr. Ingo Kraft

 

letzte Änderung: 30.09.2015